Ein Paar Überlegungen zu Stadt-Piraterie

Theorien und Techniken zur alternativen Nutzung von Muell, Sperrmuell, containertem Essen, ect. – das sind Beispiele für Handlungen, die für manche notwendig, fuer andere beliebt sind. Diese Taetigkeiten sind aber nicht fuer alle vom Kapitalismus dauerhaft negativ beeinflussten Menschen praktikabel und, Utopisch gesehen, nicht möglich: wenn alle jeden „Muell“ wieder/weiter benutzen, gaebe es bald keinen mehr bzw. es waere nicht genug für alle da, was wiederum zur marktfoermigen Weiterverteilung fuehren koennte.1 Knappheit und hohe Nachfrage, damit waeren 2 Faktoren für wirtschaftlich-interessiertes Agieren geschaffen.

Dennoch ist es für radikale Aktivist*innen sehr interessant Stadt-Piraterie zu organisieren, propagieren und weiter zu entwickeln. Das Sparen eigener Ressourcen (was vor allem mit Geld zusammenhaengt) und wiederum das Weiterleiten an andere Leute, die es genauso benoetigen, kann Moeglichkeiten schaffen politische tätig zu sein oder zu bleiben – sogar neuen Raum fuer manche oeffnen.

Die nur auf die eigene Nutzung der containerten, geklauten oder sonst wie besorgten Waren kann natuerlich der jeweiligen Person oder den jeweiligen Personen selbst nuetzen, aber die komplette Entfaltung der politischen Dimension ergibt sich wohl erst durch das angesprochene Umverteilen. Ansonsten bleibt es nur ein konsumieren auf anderen Grundlagen.2

Dennoch sollte dabei die Nutzungsabwaegung auch eine Rolle spielen, klar kann ich mit Freunden staendig Naechte damit verbringen containern zu gehen und sicherlich kann ich mich der Gefahr des Erwischt-werdens beim Klauen aussetzen, aber koennte ich die Zeit und den Aufwand dafür, nicht auch besser nutzen, um an umstürzlerischen Absichten zu feilen … ?

1 siehe dazu Pfand-System in den USA http://jungle-world.com/artikel/2012/08/44933.html
2 z.B. Containern von „verbrauchten“ Konsumgueter

Über Keep Dancing

Ich bin ein Zine aus Rostock. Mich gibt es seit 2012.
Dieser Beitrag wurde unter Heft #0.1, Zine Artikel abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Ein Paar Überlegungen zu Stadt-Piraterie

  1. Blogonkel sagt:

    „fuer alle vom Kapitalismus dauerhaft negativ beeinflussten Menschen “ – die Sprachhygiene ist ja schrecklich! Ob alle Leute die damit gemeint sind das verstehen, was damit gemeint ist? Oder wäre ein prägnantes „die Augebeuteten“ vielleicht manchmal sinnvoller?

    Ich mein, da braucht man (von mir auch auch frau) ja jetzt auch nicht mit Empowermentschnickschnak kommen. Dass Leute im Kapitalismus ausgebeutet werden, macht den Systemcharakter des Kapitalismus aus. Dies festzustellen impliziert keine moralische Schuldzuweisung an die Ausgebeuteten sie hätten sich, wenn ihnen dieser Name angeheftet wird, nicht anständig gewehrt. Und man muss den Menschen ihre Scheiß-Lebensumstände nicht durch schöne oder komplizierte Worte vernebeln.

    Bei Onkel Karl gabs da im Gegenteil ein ganz anderes Rezept(nachzulesen in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie): “ Es handelt sich darum, den Deutschen keinen Augenblick der Selbsttäuschung und der Resignation zu gönnen. Man muß den wirklichen Druck noch drückender machen, indem man ihm das Bewußtsein des Drucks hinzufügt, die Schmach noch schmachvoller, indem man sie publiziert. Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse |den Schandfleck| der deutschen Gesellschaft schildern, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt! “

    Das sollte doch im Sinne des Fanzines sein, wenn da getanzte wird oder? :) [Blogonkel off]

  2. Johann sagt:

    ausgebeutet werde kannst du nur, wenn du arbeitest. Solange ausgebeutet sein nicht zu einer moralischen begebenheit wird. Wenn der Kapitalismus ein totales system ist und wir uns einig sind dass kapitalismus eine schreckliche sache ist, so sind “ vom Kapitalismus dauerhaft negativ beeinflussten Menschen“ – alle menschen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.